Im April 2007 war ich zusammen mit den drei Forenusern Alexander
(superkolbi), Ralf (mustermax666) und Torsten (redfirediablo)
zu Besuch bei Amango. Neben einem Besuch des Post-Verteilzentrums und
der Amango-Logistik gab es ausgiebig Zeit, Fragen zu stellen und
zu diskutieren. Hier der Bericht der User dazu:

Die Verwaltung von Amango
Am 13. April 2007 hat der DVD-Verleih Amango freundlicherweise
vier Mitglieder des DVD-Verleihforums nach Hamburg in die
Firmenzentrale eingeladen. Solcherart mit Informationen versorgt
bekommt man dann auch eine sehr viel bessere Vorstellung, wie ein
DVD-Versand funktioniert.
Die Verleihliste
Was die Kunden jeder Videothek - ob Versand oder vor Ort - regelmäßig
ärgert: Die gewünschte DVD ist gerade verliehen und man muß warten.
So auch bei Amango. Nur ist es bei Amango gelegentlich etwas schwierig,
an den ersehnten Titel zu kommen. Zwar stehen von über 15.000 Titeln
insgesamt mehr als 200.000 Datenträger bereit - nur sind es auch
über 85.000 Kunden, die diese DVDs ständig ausleihen wollen. Und wenn
sich die Hälfte aller Kunden auf 10 Prozent der DVDs konzentriert...
aber
zu solchen Details später mehr.
Zuerst die wichtige Frage, die sich wohl schon viele Amango-Kunden
gestellt haben:
"Wie bekomme ich schnell die DVD, die ich haben möchte?"
Dazu muß man mehr über den Algorithmus wissen, nach dem die
Verwaltungssoftware
die Priorität berechnet, mit der DVDs auf die Wunschlisten verteilt
werden.
- Zuerst geht es darum, an welcher Position der Titel in der
Wunschliste steht.
Aber das allein ist noch keine Garantie, daß man die DVD schnell
bekommt.
Begehrte Titel stehen auch bei vielen Anderen ganz vorne auf der Liste.
- Wie lange wartet man schon auf die DVD?
Wer schon lange "ansteht", wird bevorzugt behandelt. Darum empfiehlt es
sich,
DVDs so schnell wie möglich in die Versandliste aufzunehmen, auch wenn
sie noch gar nicht verliehen werden. Man findet solche Titel unter
"Neu im Programm". Sie
sind an der Datumsangabe "erscheint" zu erkennen. Bereits ausleihbare
Titel sind
dagegen mit "erschienen" ausgezeichnet,
- Als nächstes prüft die Software, wie lange der Kunde schon
keine DVD
mehr erhalten hat. Man kann also tatsächlich seine Wunschliste auf eine
DVD beschränken, die man unbedingt haben will und dabei einige Tage
ohne
DVD in Kauf nehmen, um so seine Priorität zu erhöhen.
Allerdings kann die Wartezeit für eine ganz bestimmte DVD wesentlich
länger sein
als nur einige Tage. Wer es z.B. möglichst schnell auf einen ganz
bestimmten
seltenen Disney-Film abgesehen hat, den es mit Vermietrecht nicht mehr gibt, kommt vielleicht sogar
kostengünstiger weg, wenn
er die DVD (gebraucht?) kauft und dann wieder verkauft, als bei Amango oder einem anderen Verleiher
einige
Wochen nur nach dieser einen DVD anzustehen.

Postboxen für den DVD-Versand
Die Unterstellung, daß manuell in den Ausleihvorgang eingegriffen wird,
hat Amango von sich gewiesen. Der Verdacht, daß unprofitable
Viel-Leiher
durch vorsätzliche Verzögerungen "rausgeekelt" werden sollen, sei
unbegründet.
Ein Zusammenhang zwischen Wartezeit und Tarif sei auch nicht vorhanden.
Wie kann es dann aber dazu kommen, daß es trotz voller Wunschliste
gelegentlich
zu Wartezeiten kommt?
Einige ungünstige Konstellationen kann es schon geben. Wenn z.B.
ausschließlich
DVDs auf der Liste stehen, die stark nachgefragt sind, kann man schon
mal Pech haben.
Besonders fällt das ins Gewicht, wenn man alle diese DVDs erst seit
kurzer Zeit
in der Wunschliste hat. Denn damit hat man eine niedrigere Priorität
als andere
Kunden, die ihre Wunschliste schon seit längerem zusammengestellt
haben.
Zudem werden Serien in der Reihenfolge der einzelnen Folgen
abgearbeitet. Wer z.B.
alle sieben DVDs einer StarTrek-Staffel auf seine Liste setzt, der wird
die
letzten sechs DVDs nicht bekommen, solange es ihm nicht gelungen ist,
die
erste DVD zu ergattern.
Zudem kann man sich auch täuschen, was an Filmen beliebt ist.
Ratgeber-DVDs für
Yoga, Pilates, Fitneß etc. gehen lt. Amango sehr gut und werden auch
nicht
wieder so schnell zurückgegeben. Reiseführer gehören dagegen eher zu
den Ladenhütern.
Das Sortiment

Das Lager: DVDs, die nicht gerade beim Kunden sind
Jetzt fragen wir uns natürlich, warum Amango nicht einfach eine
Handvoll DVDs
nachkauft, wenn die Nachfrage größer ist als der Bestand.
Generell ist es so, dass Amango sich beim Filmeinkauf am Bedarf der Kunden orientiert (von dem Titel „The Da Vinci Code – Sakrileg“ wurden z.B. über 3.500 Stück geordert).
Doch leider ist es nicht immer so einfach, denn Amango kauft natürlich nicht beim
Media-Markt die Regale leer. Die Bestellungen gehen an die
Produktionsfirmen
(Kinowelt, MGM, Disney etc.). Und diese Firmen haben nicht ständig alle
Titel
auf Lager. Wenn sie dann vergriffen sind, muß der Handel
warten, bis
eine neue Auflage mit Vermietrecht produziert wird. Oft ist das erst der Fall, wenn z.B.
der neue
Bond-Film ins Kino kommt. Dann steigt das Interesse an James Bond ganz
allgemein
und andere Bond-DVDs werden ebenfalls neu aufgelegt. Genauso warten
auch andere Firmen
auf ein Ereignis, das Interesse an bestimmten Titeln weckt. Es kann
auch vorkommen,
daß die Lizenz für Verleih-DVDs nicht erneuert wurde. In dem Fall kann
Amango zwar noch
DVDs verleihen, die sie unter Verleihlizenz gekauft haben. Nur
nachkaufen kann Amango
solche DVDs dann nicht mehr.
Was kauft Amango nun an Titeln ein? Natürlich das, was wir auch
ausleihen wollen
Es ist nicht ganz einfach, das im Voraus herauszufinden. Abgesehen von
sicheren Einkäufen
(Klassiker und stark beworbene Aktualitäten) ist es oft Erfahrungs- und
Glückssache. Die
Einkaufsabteilung zerbricht sich ständig aufs Neue den Kopf
darüber, wie viele Exemplare
welcher DVDs bestellt werden sollen. Hilfreich sind dabei u. a. auch
die "Vorbestellungen" der Kunden, die bereits noch nicht erschienene Titel auf ihre Wunschliste gesetzt haben.
Amango ist also durchaus interessiert an Kundenwünschen. Eine Anfrage
per Kontaktformular kann sich lohnen.
Das FSK18-Sortiment
Wer per Postident seine Volljährigkeit nachgewiesen hat, kann auch DVDs
ausleihen,
die erst ab 18 Jahren freigegeben sind. Leider erfährt man erst nach dem
Altersnachweis,
auf welches Sortiment man damit Zugriff hat. Denn der Maxime folgend,
daß Zensur
nur dann richtig gut funktioniert, wenn die Opfer nichts davon merken,
hat unser
Staat nicht nur das Ansehen der DVDs verboten, sondern generell jeden
Hinweis
darauf, daß solche DVDs überhaupt existieren. Folgerichtig dürfen wir
die Liste
der 18er-DVDs erst einsehen,
nachdem wir unsere
Volljährigkeit nachgewiesen haben.
Daß wir damit "die Katze im Sack kaufen", ist allerdings dann doch zu
einem gewissen
Teil Amangos Schuld. Denn um kostspieligen Streitereien mit
Abmahn-Anwälten aus dem
Weg zu gehen, verhält sich Amango etwas übervorsichtig.
Sehen wir uns einmal die aktuelle Rechtslage an.
- FSK18 bedeutet daß der Produzent die DVD
durch "Freiwillige Selbstkontrolle"
nur für Volljährige freigegeben hat. Diesen vorauseilenden Gehorsam
belohnt der
Staat damit, daß man auch Jugendliche über solche DVDs informieren
darf. Verkaufen
bzw. verleihen darf man sie dann allerdings nur an Volljährige. Solche
FSK18-DVDs dürfte
Amango also auch außerhalb des 18er-Bereichs auflisten (wenn auch nicht
verleihen). Genauso
findet man solche FSK18-DVDs auch im Elektronik-Supermarkt SATURN, wo
jeder Minderjährige
zwar auf das Cover schauen aber sie nicht kaufen darf. Auch Amazon.de
listet solche
FSK18-DVDs. Ein Verkauf ist auch dort nur für Volljährige vorgesehen.
Es ginge also schon...
- Porno-DVDs - die es ja auch bei Amango
zu leihen gibt - dürfen dagegen nur
dort beworben werden, wo Jugendliche keinen Zugang haben. Diesen Teil
der Liste
dürfte Amango dann tatsächlich nur Volljährigen anzeigen.
- Indiziert bedeutet "unfreiwillige
Fremdkontrolle". Wenn der Hersteller der
DVD nicht freiwillig zensiert, tritt die BPJS (Bundesprüfstelle für
Jugendschutz) in
Aktion und verbietet den Verkauf der DVD an Jugendliche und das
Bewerben der DVD
gleich noch dazu. Solche DVDs findet man dann folgerichtig nur in
FSK18-Bereichen aufgelistet.
Leider hat sich Amango dazu entschlossen, auch im 18er-Bereich keine
indizierten DVDs
anzubieten, obwohl das durchaus erlaubt wäre. So kommt es dann zu der
kuriosen Situation,
daß Amango zwar zahlreiche Porno-DVDs anbietet, einen ohnehin schon
harmlosen Schulmädchen-Report
dagegen nur in der geschnittenen FSK16-Fassung verleiht (weil er
ungeschnitten von Staats wegen
"indiziert" ist).
Wie wird das Sortiment erweitert?

DVDs werden maschinell zurückgebucht
Wenn sich Amango dann entschieden hat, wieviele Exemplare welcher Titel
ins Sortiment
aufgenommen werden, kommen die DVDs nach Bestellung dann auch bald im
Wareneingang an.
Es handelt sich dabei nicht etwa um die "nackte" DVD, mit der Amango
vermutlich auch zufrieden wäre. Stattdessen kommt die DVD komplett mit
Cover und Case und eingeschweißt noch dazu. Also muß ein Mitarbeiter
erst die Folie aufreißen und die DVD entnehmen. Die Verpackung wird
weggeworfen (bis auf eine pro Titel, die als Beleg eingelagert wird).
Amango hat sich entschieden, diese Cover nicht weiterzuverkaufen - wer
weiß, wo sie wieder auftauchen würden?
Jede DVD bekommt dann eine eigene Einschubtasche zugeordnet. Damit ist
nicht der Briefumschlag
gemeint, sondern die Hülle aus dünnen Papier ("Teyvek"), in der die DVD
enthalten ist. Die DVD
mitsamt der Hülle findet man dann später im Briefumschlag aus Pappe.
Die Einschubtasche wird
mit einem Tintenstrahldrucker beschriftet und bekommt neben allgemeinen
Informationen
(Titel, Darsteller etc.) auch noch einen Barcode und eine eigene
Registriernummer, unter der
die DVD ins Amango-System eingetragen und dort verwaltet wird. Auch
unterschiedliche Datenträger
des gleichen Films haben also ihre eigene Nummer.
Ein Tag bei Amango

Maschine zum Rückbuchen und Sortieren von DVDs
Werfen
wir nun einen Blick auf den Tagesablauf bei Amango. Wer tut was wo und
wann in
welcher Reihenfolge? Der Einfachheit halber spielt sich die ganze
Arbeit im Erdgeschoß
ab. Lediglich die Verwaltung ist einige Etagen höher untergebracht.
Alles beginnt morgens um ca. 06:00, wenn die Post die Container mit den
Rücksendungen
einliefert. Die post-typischen gelben Plastikbehälter (ca. 15 * 30 * 50
cm) gelangen
nach einem kurzen Aufenthalt im Wareneingang in den Arbeitsraum, der
kleiner ist, als
man bei einer Firma wie Amango erwarten würde. Alle Mitarbeiter und
Maschinen sind
auf ca. 5 * 15 m untergebracht.
Zuerst müssen die Briefumschläge geöffnet werden. Ein Mitarbeiter nimmt
die Umschläge,
die bereits sauber ausgerichtet im Postbehälter eingeliefert werden und
legt sie
in eine Maschine, die das Öffnen übernimmt. Mehrere Umschläge pro
Sekunde werden
eingezogen, aufgeschlitzt und anschließend am anderen Ende wieder
gestapelt.
Ein kurzer Blick zur Kontrolle - sind alle Umschläge geöffnet? Dann
geht es weiter
zur DVD-Entnahme.
Und hier beginnt die eigentliche Arbeit, die ohne Maschinen und
Computer bewältigt
werden muß. In Handarbeit werden die DVDs mitsamt der Einschubtasche
aus dem Umschlag
genommen und jede einzeln geprüft. Ist es die richtige DVD? Ist sie
auch nicht defekt?

Die DVDs warten darauf, den einzelnen Kunden zugeteilt zu werden
Die Briefumschläge werden entsorgt, die DVDs mitsamt der Einschubtasche
werden wieder
eingeordnet. Je nach Menge der Rücksendungen ist dieser Vorgang
zwischen 09:00 und
10:00 abgeschlossen. Dann ist Frühstückspause.
Währenddessen werden die DVDs von der Verwaltungssoftware eingebucht.
Das geht
automatisiert. Jede Hülle wird mitsamt der DVD eingezogen und der
Barcode gescannt.
So erfährt die Software, welche DVDs wieder auf Lager sind und erneut
versendet werden können.
Man sollte nicht glauben, wie schnell solche Scanner heute arbeiten.
Neun DVDs pro Sekunde
sind ohne weiteres machbar.
Danach werden die eingebuchten DVDs, die nicht gleich wieder in den
Versand kommen, im Lagerraum einsortiert. Auch das ist wieder
Handarbeit. Keine Roboter mit geschickten Greifarmen, keine
elektronisch lesbaren Fächer.
Es sind ganz normale Regale, in denen die DVDs stehen wie sonst z.B.
Audio-CDs im Fachhandel.
Hier dürfen beim Einordnen keine Fehler gemacht werden, sonst kann es
dauern, bis man
die DVD wiederfindet.
Inzwischen hat die Verwaltungssoftware den aktuellen Lagerbestand mit
den Wunschlisten
der Kunden verglichen und entschieden, welcher Kunde welche DVD erhält.
Wieder muß jemand
ins Lager, um diesmal die für den Versand benötigten zusätzlichen DVDs
aus den Fächern zu nehmen und
in die vorgesehenen Kisten einzusortieren. Währenddessen bedruckt im
Arbeitsraum ein
Laserdrucker die Briefumschläge.

Die DVDs werden manuell in die richtigen Umschläge gesteckt
Entscheidend dabei ist, daß DVDs und Briefumschläge in der gleichen
Reihenfolge verarbeitet
werden. Sowohl Mensch als auch Drucker müssen sich ohne Fehler an die
Reihenfolge
halten, die vom Computer vorgegeben wurde. Denn nun kommen jeweils eine
Kiste mit DVDs
und eine Kiste mit Umschlägen nebeneinander auf den Tisch und die
Amango-Mitarbeiter
schieben nun immer hintereinander die nächste DVD in den nächsten
Umschlag. Ist die Reihenfolge
durcheinandergeraten, kommt zwar nicht am Ende die falsche DVD beim
Kunden an (ein
Abgleich von der Nummer auf DVD-Hülle und Umschlag findet beim Eintüten
zur Sicherheit noch statt). Aber
so eine falsche Zuordnung bringt den Arbeitsablauf ins Stocken.
Sind die Umschläge mit DVDs befüllt, werden sie nach
Postleitzahl-Bereichen geordnet.
Hier kommt wieder eine Sortiermaschine zum Einsatz. Ein Scanner liest
die PLZ, ein
Schieber befördert den Brief ins passende Fach. Von dort geht es in den
Postbehälter,
der dann mit einem Zettel (Barcode und PLZ-Bereich) markiert wird. So
tut sich die
Post im Briefzentrum beim Sortieren leichter und die Wahrscheinlichkeit
von Verlust
oder Verzögerung wird deutlich reduziert.
Um ca. 18:00 holt die Post die Briefe ab. Idealerweise kommen sie am nächsten Morgen
beim Kunden an.
Defekte DVDs
Wo kann es bei diesem Ablauf dazu kommen, daß eine DVD beim Kunden
"nicht funktioniert"?

Poliermaschinen
Einmal kann sie beim Versand beschädigt werden
(zerbrechen/zersplittern). Wenn das
beim Versand an Amango passiert, wird die DVD ausgetauscht. Wenn es
beim Versand
zum Kunden passiert, hat man Pech gehabt. Früher kam es durch die
Hammerstempel häufiger zu Bruch. Mittlerweile geht die Post etwas
gnädiger mit
den Standardbriefen um. Zudem werden die Umschläge durch die
Sortieranlagen gelegentlich
gebogen (auch Amango hat so eine "Biege-Maschine" in Betrieb). Zwar
werden sie nicht
scharfkantig abgeknickt, aber um einen 30cm-Durchmesser-Bogen
transportiert. Würde das nur einmal passieren, wäre es kein Problem.
Aber durch ständige Wiederholungen dieses Vorgangs ist die Grenze
dann doch irgendwann erreicht.
Sollte die DVD wegen Kratzern nicht mehr abspielbar sein, wird sie
poliert. Dazu
hat Amango einige Polier-Maschinen, die auch aus arg mitgenommen
Datenträgern wieder
etwas Lesbares machen. Weil man nicht durch bloßes Draufschauen
erkennen kann, ob
eine DVD in dem einen oder anderen Abspielgerät Probleme macht, bleibt
es dann
doch schon mal beim Kunden, sich über eine nicht lesbare DVD zu
beschweren. Aus Zeitgründen
ist es einfach nicht möglich, jede DVD vor dem Versand komplett zu
testen.
Verzögerungen
Auch auf die Verzögerungen zum Jahreswechsel haben wir Amango nochmals
angesprochen.

Versandfertige sortierte DVDs in Postboxen
Nach Amango-Aussage ist die Sache so passiert: Durch Weihnachten,
Neujahr und Feiertage kam es - nicht zuletzt durch den Kundenzuwachs
der letzten Monate - zeitweise zu Verzögerungen. Zudem arbeiteten
Logistik und Versand ohnehin schon an der Grenze der Kapazität.
Diese beiden Probleme zusammen führten dazu, daß sich dieser unerfreuliche
Zustand wesentlich länger hinzog, als Amango das vorhergesehen hatte.
Zudem war der Kundensupport mit den mehreren tausend Anfragen innerhalb
weniger Tage überlastet. Teils, weil etliche Verwaltungsangestellte im
Versand aushelfen mußten, teils weil Amango mit so einer schnellen und
ungehaltenen Reaktion der Kunden nicht gerechnet hatte.
Amango hatte diesen Engpaß einfach unterschätzt und sah daher keinen Anlaß für
eine rechtzeitige öffentliche Stellungnahme.
Aus diesen Vorfällen hat Amango natürlich gelernt. Die Kapazitäten
wurden ausgebaut und insbesonderen die Ressourcen im Versand erweitert,
um mit weiterem Wachstum schritthalten zu können. Sollten dennoch
einmal Probleme auftreten, werden die Kunden künftig schneller
informiert. Auch der Kundensupport wurde personell verstärkt.
Kundenanfragen beantworte man mittlerweile innerhalb von maximal 24 Stunden.
Kalkulation
Trägt sich die Flatrate finanziell? Welche Ausgaben hat Amango? Kriegen
sie Mengenrabatt aufs Porto?
Kriegen sie nicht!, so
die übereinstimmende
Aussage von Post und Amango. Tatsächlich zahlt Amango für eine Hin- und
Rücksendung
beinahe die vollen 1,10 Euro (2 * 55 Cent). Lediglich einige Prozent
Vergünstigung
für das Vorsortieren sind drin (und die auch nur beim Versenden).
Das ständige Versenden einzelner DVDs kommt natürlich teurer, als wenn
man (wie mancher andere Anbieter) einen ganzen Packen auf einmal versendet.
Dafür ist man mit dem Einzelversand flexibler und kann entweder drei
DVDs auf einmal oder auch ohne Pause jeden Tag eine neue DVD ordern.
Würde jeder Kunde seine Flatrate voll ausnutzen, würde Amango dann tatsächlich
mit Verlust arbeiten. Allerdings gibt es nicht allzuviele Kunden, die von früh bis spät
vor dem Fernseher sitzen. Das ganze folgt der Gausschen Normalverteilung mit
einigen Viel- und Wenig-Leihern und überwiegend Durchschnitt. Gut möglich, daß
etliche Kunden gar nicht den letzten Pfennig aus dem Tarif rausquetschen wollen.
Viele wollen vielleicht nur nicht bei jeder DVD wieder von Neuem zahlen und nachrechnen
und bevorzugen stattdessen das leicht verständliche Flatratemodell.
Mit dem Mittelwert, der sich daraus ergibt, kann Amango offenbar leben.
Allzu großzügig ist der Profit pro Kunde am Ende dann wohl nicht. So rechnet
sich die Flatrate nur als Massengeschäft. Amango hat derzeit über 85.000
Kunden und setzt weiterhin auf Expansion anstatt auf kurzfristige Gewinne..
Genaue Zahlen hat Amango nicht genannt. Das müssen sie allerdings
auch nicht, die Firma ist ja keine Aktiengesellschaft.
Fazit
Zwar kann man durch diesen Überblick noch nicht im Einzelfall
beurteilen, wodurch Verzögerungen im Ablauf zustande kommen. Aber man
bekommt eine Vorstellung davon, was glaubwürdig ist und was haltlose
Verdächtigung. Und immerhin war Amango als erste und bisher einzige Firma
aus diesem Bereich dazu bereit, seinen Kunden einen Blick hinter die Kulissen
zu gestatten.
Dafür schon mal ein herzliches Dankeschön im Namen aller Amango-Kunden
und solchen, die es werden wollen.
von
Ralf
Kottcke
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